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Harald Goergens Westerstede

William Henry Fox Talbot

11.02.1800 - 17.9.1877, Gelehrter und Erfinder der Photographie

 

Talbot wuchs in den sehr wohlhabenden Umständen der englischen Ober- schicht auf, wo er zu einem in vielen Wissenschaftsgebieten äußerst gebildeten Gelehrten wurde. Seine Beiträge vor allem in der Mathematik, der Astrono- mie, Physik, Psychologie, Botanik sowie der Entzifferung persischer Keil- schrift sind bis heute relevant. Er wurde zum Mitglied mehrerer wissen-schaftlicher Vereinigungen berufen und bekam von der Universität Edinburgh die Ehrendoktorwürde, 1976 wurde ein Mondkrater nach ihm benannt.

 

Wie es in seinen Kreisen üblich war, unternahm auch Talbot Bildungsreisen durch Europa, auf denen auch er darum bemüht war, Skizzen und Zeichnun- gen anzufertigen. Genau dabei allerdings war er nicht so erfolgreich: „Wenn das Auge sich von dem Prisma löste – in dem alles schön ausgesehen hatte – fand ich, dass der treulose Stift auf dem Papier nur traurige Spuren hinter- lassen hatte“ - so sein Kommentar zu seinen eigenen Versuchen, mit Hilfe der Camera Lucida Bildeindrücke festzuhalten.

Nach erneuten Erfahrungen dieser Art am Comer See im Jahre 1833 beschloß er, nach einem Weg zu suchen, die flüchtigen optischen Bilder direkt aufzunehmen: "die unnachahmliche Schönheit der Bilder, von der Natur gemalt, welche durch die Glaslinse der Camera auf das Papier in ihrem Brennpunkt geworfen wird...ich verfolgte die Idee...wie reizvoll es wäre...diese natürlichen Bilder haltbar zu machen und auf dem Papier festzuhalten".

 

1834 begann er mit gezielten Experimenten dazu, bei denen er zu- nächst ebenfalls Chlorsilber verwendete, mit dem seine Landsleute Wedgewood und Davy 1802 bereits Photogramme herstellten, die sie allerdings noch nicht fixieren konnten. Seine Versuche erbrachten 1835 ein erstes richtiges "Negativ" auf Papier von einem Fenster seines Wohnsitzes Lacock Abbey.

Nach diesen ersten und zunächst noch durchaus unbefriedigenden Ergebnissen befaßte sich Talbot in den folgenden Jahren mit anderen Projekten. 1838 setzte er seine photographischen Experimente fort und war im Begriff, eine Veröffentlichung vorzubereiten, als im Januar 1839 von der Academie des Sciences in Paris die Bekanntgabe der Erfindung der Photographie von Daguerre angekündigt wurde. Talbot sah sich nun gedrängt, in Eile die noch nicht wirklich fertigen Ergebnisse vorzustellen, um seinen eigenen Erfinderanspruch zu sichern.

Die "Camera Lucida" ist eine optische Zeichenhilfe, bei der mit einem Prisma das Bild virtuell auf ein darunter gelegtes Papier entworfen wird, wo man es dann nachzeichnen kann, ähnlich wie bei einer "Camera Obscura" auf der Mattscheibe.

Es wurde schnell deutlich, daß Talbot's Verfahren grundsätzlich von dem Daguerre'schen verschieden ist. Ein ganz wesent- liche Unterschied liegt darin, daß man nach Talbot zunächst ein Negativ erhält, von dem dann beliebig viele Positiv-Kopien gemacht werden können und Talbot war dies auch von Anfang an als Vorteil bewußt. Trotzdem fanden seine "Photogenic Drawings" zunächst keine Beachtung. Es ist wohl Freunden Talbots zu verdanken, daß er trotz dieser Enttäuschung weiter-machte. Seine Arbeiten führten zu einem letztlich neuen Verfahren, bei dem ebenso wie bei Daguerre ein latentes Bild ent- wickelt wird, so daß entsprechend kurze Belichtungszeiten entstehen. Talbot nannte diese Technik für Papiernegative "Kalo- typie" und erhielt 1841 ein Patent darauf. Es gab viele, die ihn wegen dieses Patentanspruchs kritisierten, da man nicht ver- stand, warum ein so reicher Mann noch Tantiemen dafür kassieren wollte. Hintergrund war vermutlich, daß die Erfindung von Daguerre , vom französischen Staat angekauft und der ganzen Welt geschenkt wurde - aber mit Ausnahme von England. Dort bestand von Daguerre ebenfalls ein Patent, für welches Tantiemen zu entrichten waren. Für diese Vermutung spricht, daß Talbot außerhalb Englands seinen Patentrechtsanspruch nicht verfolgte, sondern nur innerhalb Englands, eben dort, wo auch das Daguerre'sche Verfahren unter Patentanspruch stand.

Tatsächlich hat Talbot mit der Kalotypie, die später ihm zu Ehren auch "Talbotypie" genannt wurde, den Grundstein der analogen Photographie bis heute gelegt. Sein Freund, der Wissenschaftler Sir John Herschel, steuerte nicht nur aus eigenen Versuchen das Wissen über das ebenfalls noch heute verwendete Natriumthiosulfat als Fixiermittel bei, sondern ebenso die bis heute üblichen Namen: "Photographie", "Negativ", "Positiv", "Fixieren" sind alles Bezeichnungen, die Herschel wählte.

 

1851 gelang es Talbot's Landsmann Fredric Scott Archer, eine lichtem- pfindliche Schicht mit einem geeigneten Bindemittel auf Glasplatten zu übertragen., so daß es seither klare Negative ohne störende Papierstruktur gab. Dieses Verfahren löste in kurzer Zeit die Kalotypie und auch die bis dahin allgemein verbreitete Daguerreotypie ab und führte so die Photographie weiter auf den erfolgreichen Weg.

 

Archer's Verfahren mit Kollodium als Bindemittel war noch recht umständ lich in der Anwendung: die Platten mußten direkt vor der Aufnahme selbst hergestellt und im noch feuchten Zustand belichtet und sofort entwickelt werden, um die Lichtempfindlichkeit zu erhalten ("nasses Verfahren"/ "Naßplattentechnik").

 

1871 erhielt Richard Leach Maddox ein Patent auf die Trockenplatte, die nach einigen Verbesserungen seit 1878 industriell hergestellt werden konnte, 1886 erhielt Hannibal Goodwin das Patent für photographischen Film auf Zelluloid als Schichtträger - die Voraussetzungen für die Amateurphotographie waren damit geschaffen.

Viele weitere Verbesserungen erfolgten, bis die heute gewohnte Perfektion der analogen Photos selbstverständlich war. Wirkten die frühen Talbotypien, gerade bei Portraits, oft noch fast wie Gemälde, weil sie so stark retuschiert werden mußten, um die mangelnde Empfindlichkeit der Silbersalze für rotes Licht - also auch für die Hauttöne - auszugleichen, so ist dies längst interessante Vergangenheit. Talbot selbst erstellte 1844 mit seinen Kalotypien die beiden ersten Photobildbände der Welt, "The Pencil of Nature" und "Sun Pictures of Scotland". Auch heute noch steht die analoge Photographie für das dauerhafte Bewahren besonderer Augenblicke aus dem sonst unaufhaltsamen Lauf der Zeit, basierend auf der von Talbot geschaffenen Grundlage.

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